Das Projekt endet mit dem Ausnahmezustand

Es fällt mir schwer, zu schreiben.

Vor zwei Wochen dachte ich, ich komme in die letzte Phase meiner Vorbereitungen für die Ausstellung in der Kulturkirche. Die letzten Arbeiten wurden in Februar und Anfang März größenteils fertig, so dass ich hauptsächlich nur noch mit einer einziger Arbeit beschäftigt war, für die ich reichlich Zeit eingeplant habe. Ich kam ganz gut voran, so dass ich mich gefreut habe, eventuell sogar früher fertig zu werden.

Am Wochenende von 7/8. März war ich in voll Betrieb im Atelier. Ich musste die Hängesysteme an die Bilder anbringen, die auf Holz gemalt wurden, und die mehrteiligen Gemälde (provisorisch) zusammenschrauben. Am Sonntag ging ich zwischendurch in die Weserburg, wo am Nachmittag der Weltfrauentag gefeiert wurde. Es wurde ein langer Tag.

Der Fotograf Jens Weyers kam am Dienstag zu mir ins Atelier, um die Fotos für die Repros für den Katalog anfertigen zu können. Auch dieser Tag war sehr voll, nach dem Fototermin hatte ich eine Kuratorin zu Besuch und am Abend hatten wir Jahresversammlung im Künstlerinnenverband.

Am Mittwoch früh fuhr ich in die Universitätsbibliothek, um die restlichen Bücher (bis auf eins, das ich noch immer nicht geschafft habe, zu Ende zu lesen) zurückzugeben und neue Bücher für ein neues Projekt auszuleihen. Ecce homo – so dachte ich – wird bald mit einer Ausstellung abgeschlossen, auf die ich schon seit einem Jahr sehr intensiv hingearbeitet habe.

Bis Donnerstag wurde die Coronavirus-Lage ein konkretes Thema. Ich konnte noch bei einem Workshop wie geplant mitwirken – nur eine der Teilnehmer*innen ist nicht gekommen. Mit meinem Besuch im Atelier am Freitag haben wir aber schon mit Sorge über die Zukunft nachgedacht. Immer dachte ich noch, bis Mitte April, wenn der Aufbau für meine Ausstellung losgehen sollte, haben wir die Krise überstanden.

Das Wochenende war voll mit Nachrichten und Anfang der nächsten Woche wurde klar – es ist alles viel schlimmer, als wir dachten. Die Pastorin rief mich an und hat mich informiert: Die Kulturkirche muss schließen. Die aktuelle Ausstellung muss verlängert werden, damit sie nicht komplett unter Ausschluß der Öffentlichkeit laufen muss. Ecce homo kann nicht wie geplant stattfinden.

Alles sehr sinnvoll, verantwortungsvoll, respektvoll.

Am Dienstag sickerte es langsam zu meinem Bewusstsein durch. Ecce homo – Der Mensch und sein Bild endet für mich ohne Abschluß.

Die Ausstellung fällt nicht aus, netterweise (mein großer Dank geht an die Pastorin Diemut Meyer), sie wurde verschoben. Doch mit 4 Monaten Abstand wird das für mich nicht die selbe Bedeutung haben.

Viele Freunde, Bekannte haben geplant, zur Eröffnung, zum Katalogrelease, oder zu Besuch während der Laufzeit der Ausstellung zu kommen, zum Teil auch von ausserhalb von Bremen. Viele haben mit mir mitgefiebert, waren neugierig. Familie, Freunde, Kolleg*innen, Werkstattleiter haben mir geholfen, wenn ich Hilfe brauchte. Gäste kamen zahlreich zu Besuch ins Atelier, um vorab schon etwas über die Arbeit zu erfahren, ihre Gedanken mit mir zu teilen.

Allen gilt mein allerbester Dank.

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